Fantasy zu schreiben, bedeutet, groß zu träumen, aber sorgfältig zu planen!

Du möchtest einen Fantasyroman schreiben? Dann sind eine gute Planung und Recherche oft nötig. Fantasy lebt schließlich von seinen außergewöhnlichen Welten, Settings und Charakteren. Eine neue Welt zu erschaffen, ist schwerer und meist aufwendiger, als man am Anfang für möglich hält. Erschaffe unverwechselbare Details, wie z. B. eigene Trinksprüche, Kleidung, eigene Sprachen, Währungen, außergewöhnliche Pflanzen oder Wesen. Denn eine Welt ohne Besonderheiten ist langweilig und austauschbar. Erfinde faszinierende Landschaften und Charaktere, aber plane deine Welt gründlich! Sorge für Konsistenz und Glaubwürdigkeit! Denn je fantastischer deine Geschichte ist, desto wichtiger wird ihre innere Logik.

Vergiss aber nicht: Jede Welt braucht ihre eigenen Regeln und Grenzen.

Kenne dein Fantasy-Genre!

Fantasy ist nicht gleich Fantasy.

Bevor du mit dem Schreiben beginnst, solltest du wissen, in welchem Bereich der Fantasy du schreibst. Denn jedes Fantasy-Genre hat seine Besonderheiten und Regeln. High Fantasy lebt zum Beispiel von seinen Helden und epischen Welten, wogegen Grimdark für seine düsteren, gewalttätigen und moralisch fragwürdigen Charaktere steht. Deine Leser haben also ganz bestimmte Erwartungen an die Handlung, die Atmosphäre und das Setting. Wer einen Urban-Fantasy-Roman kauft, möchte schließlich keine High-Fantasy. Die Leser erwarten genretypische Elemente und Handlungsabläufe. Jedes Fantasy-Genre bedient andere Gefühle, Charaktere und Settings. Hältst du dich nicht an diese Regeln, führt das meist zu enttäuschten Lesern.

Kenne deine Zielgruppe!

Für wen schreibst du eigentlich?

Du solltest immer deine Zielgruppe ganz genau im Blick behalten. Ihre Wünsche, Erwartungen und Kaufmotive kennen! Frage dich deshalb, wer dein Buch lesen möchte und warum. Das ist entscheidend, für den Schreibstil und die Vermarktung deines Buches. Erstelle dir eine fiktive Persona, überlege, wer sie ist (Name, Alter, Beruf, Lesegewohnheiten und Kaufverhalten), und schreibe dein Buch, als würde es genau für diese Person sein. Kennst du deine Zielgruppe, fällt es dir um einiges leichter, das richtige Marketing für dein Buch zu betreiben.

Recherche

Recherche gibt deiner Welt Tiefe.

Das klingt erst einmal widersprüchlich. Du wirst jetzt denken: Aber ich erschaffe doch eine ganz neue fiktive Welt. Auch wenn du Dinge neu erfindest und selbst konzipierst, benötigst du Hintergrundwissen. Recherchen über Geografie, Klima, Währungen, politische Strukturen, Gesellschaften oder historische Hintergründe können dir dabei helfen, deine eigene Welt zu erschaffen und sie glaubhafter wirken zu lassen. Selbst so etwas wie Namensgeneratoren oder Tools zum Erstellen von Landkarten für deine Fantasywelt können da sehr hilfreich sein.

Sie hilft dir aber auch, Klischees zu vermeiden und Details für deine Welt zu finden, die sie besonders machen, oder liefert dir Ideen, auf die du so alleine gar nicht gekommen wärst. Recherche trägt dazu bei, ein solides Fundament für deine Geschichte zu erschaffen.

Nicht jede recherchierte Information muss jedoch später in deinem Buch erscheinen. Nutze sie, um sicherer zu schreiben, aber überlade deine Geschichte nicht mit unnötigem Wissen.

Deine Welt braucht Regeln.

Möchtest du deine eigene Fantasywelt erschaffen, dann sind Regeln unverzichtbar.

Weltenbau kann großen Spaß machen, ist aber auch eine ganze Menge Arbeit. Deine Welt braucht Gesetze und Grenzen, damit sie funktionieren kann und glaubwürdig wirkt. Ist in deiner Welt alles möglich und können Probleme jederzeit durch Magie gelöst werden, verliert deine Geschichte an Spannung und Glaubwürdigkeit.

Für deine Welt solltest du folgende Regeln festlegen:

  • Völker: Was macht sie aus? Wie leben und sprechen sie? Ihre Namen müssen zur Welt passen. Gibt es Konflikte?
  • Mensch oder Wesen: Sind sie real, mythisch oder erfunden? Aussehen? Fähigkeiten? Besonderheiten?
  • Sprachen: Menschliche Sprache oder erfundene Sprache? Laute, Geräusche, Klangfarbe und Satzbau?
  • Wohnsituation: Wald, Meer, Stadt, Land, Dorf, Hütte, Zelt oder Burg? Himmel oder Unterwelt? Erde, anderes Universum, Raumschiff oder ferne Planeten? Penthouse, Wohnung oder Höhle? Welche Architektur und welcher Lebensstandard?
  • Zeit: Spielt deine Geschichte in der Gegenwart, Zukunft oder Vergangenheit? Zeitlinien oder Zeitreisen? Gibt es einen speziellen Kalender oder Zeitmanipulationen? Wie ist die Lebenserwartung deiner Protagonisten (z. B. Unsterblichkeit, Alterung)?
  • Universum: Reale oder alternative Welt? Erde oder Weltraum? Dimensionen, Parallelwelt, Anderswelt, Himmel oder Hölle? Welche Naturgesetze herrschen dort?
  • Flora: Welche Pflanzen gibt es? Haben sie magische Fähigkeiten? Farbe, Aussehen, Funktion, Einzigartigkeit? Welchen Nutzen haben sie? Wie ist der Einfluss auf die Welt?
  • Fauna: Worin unterscheiden sich die Tiere oder Wesen in deiner Welt? Was ist an ihnen besonders? Welche Intelligenz, Fortpflanzung, Fortbewegung und Nutzen haben sie?
  • Klima: Wetterbedingungen? Klima beeinflusst die Lebensweise, Kultur und Wirtschaft. Gibt es Naturkatastrophen, Jahreszeiten, Wetterphänomene? Beeinflusst Magie das Wetter?
  • Geografie: Länder oder Reiche? Kontinente, Meere, Land, Berge, Himmel, Unterwelt oder andere Planeten? Gibt es Rohstoffe? Erstelle eventuell Landkarten!
  • Magie: Welche Art von Magie gibt es und was sind ihre Grenzen? Wer darf sie benutzen? Was sind die Kosten, Konsequenzen und ihr Ursprung, sowie Einfluss und die Verfügbarkeit? Ist sie Heilmittel, Fluch oder Schwäche?
  • Übernatürliche Kräfte: Welche gibt es? Welchen Einfluss und welche Konsequenzen haben sie? Sie können durch Personen, Wesen, Tiere oder die Umwelt wirken.
  • Gesellschaftliche Strukturen/Machtstrukturen: Welche Hierarchien und Gesetze gibt es? Wer fürchtet wen? Wer hat die Macht?
  • Religion: Welche Religionen oder Glaubensrichtungen gibt es? Was zeichnet sie aus? Welche Traditionen?
  • Politik: Welche Wertesysteme, Kriege, Demokratie, Autokratien herrschen? Was für Ziele verfolgt sie? Welche Entscheidung ist für wen wichtig?
  • Berufe: Gibt es echte, ungewöhnliche oder erfundene Berufe? Welche Besonderheiten und welche Kleidung haben sie?
  • Kleidung: Sie sollte zur Welt, Zeit und Gesellschaft passen, ebenso zur sozialen Schicht und zum Klima. Berücksichtige Materialien, Gebrauchsspuren (neu, alt), Accessoires, Farbe und Praktikabilität.
  • Währung: Welche Art von Währung (Ressourcen, Geld, Magie, biologisch, organisch oder Körperprivilegien) gibt es? Wie sieht das Geld, die Münzen aus? Was sind sie wert? Wer verfügt darüber? Gibt es Handelssysteme, Inflation oder regionale Unterschiede?
  • Essen/Trinken: Welche Nahrungsmittel (Lebensmittel, Blut, Energie, Tiere, Elemente, Rohstoffe) gibt es? Verfügen sie über besondere Eigenschaften? Das Essen muss zur Spezies passen.

Du siehst, es gibt so viele Dinge zu beachten und zu planen. Erstelle am besten eine Liste mit allen wichtigen Details, auf die du während des Schreibens immer zurückgreifen kannst.

Die Sprache sollte zu deiner Welt passen.

Sprache erzeugt Atmosphäre.

Wenn du eine eigene Sprache für deine Welt entwickelst, muss sie nicht linguistisch perfekt sein. Sie sollte aber Konsistenz, Charakter und vor allem einen praktischen Nutzen haben.

Lege fest, welche Laute die Sprache haben soll und wie sie klingt. Wer sie sprechen darf und wie ihre Satzstruktur aussieht. Ist es eine fließende Sprache oder eher eine abgehackte? Passt sie zu deiner Gesellschaft oder deinem Volk? Deine erfundene Sprache sollte die jeweilige Kultur widerspiegeln. Die richtigen Wörter zeigen die Umwelt ihrer Sprecher und helfen, deine Welt glaubhafter, und interessanter zu machen. Bei einer Wüstenkultur gibt es zum Beispiel oft mehrere Wörter für Sand, aber nur ein Wort für Erde.

Doch bedenke:

Weniger ist mehr. Übertreibe es nicht, sonst überforderst du deine Leser. Streue fremde Wörter nur häppchenweise ein und zeige lieber durch die Handlung deiner Figuren, was du damit meinst.

Vermeide flache Charaktere!

Die schönste Welt taugt nichts, wenn ihre Charaktere nicht berühren.

Gerade die Fantasy lebt von ihren ungewöhnlichen Charakteren. Mythischen Wesen, Aliens von fernen Planeten oder Menschen mit magischen Fähigkeiten. Sie zeichnen sich allerdings nicht nur durch ihre außergewöhnlichen Fähigkeiten aus, sondern sie haben auch Ecken und Kanten. Wenn deine Figuren jedoch alles perfekt können und keinerlei Schwächen oder Fehler haben, werden sie schnell langweilig. Oft werden Fantasywesen als Überflieger oder als unbesiegbar dargestellt, doch erst ihre kleinen Macken machen sie interessant und liebenswert. Ein Charakter ist mehr als nur gut oder böse, sondern er ist vielschichtiger.

Inkonsistente Magie vermeiden.

Magie darf niemals willkürlich wirken.

Schlecht ist es, wenn sich die Regeln für deine Magie in deiner Geschichte plötzlich ändern, nur damit sie deinem Plot dienen. Deine verwendete Magie muss den gesamten Roman über festen und gleichbleibenden Regeln folgen, sonst ist sie unglaubwürdig.

Lege von Anfang an die Grenzen und Konsequenzen deiner Magie fest! Wenn deine Magie jeden Konflikt mit einem Fingerschnippen löst, fehlt der Spannungsbogen und die Handlung wird langweilig. Lass die Magie ruhig auch mal an ihre Grenzen stoßen, so wie es auch im echten Leben wäre!

Vermeide Infodump!

Leser wollen nicht alles auf einmal erfahren.

Du hast dir viel Mühe gegeben und Königreiche, Stammbäume, Magiesysteme oder gar Prophezeiungen ausgedacht, dann ist das wunderbar.

Doch niemand möchte schon auf der ersten Seite alles erklärt bekommen. Streue die Informationen zu deiner Welt nach und nach ein! Vermeide lange Erzähltexte und Beschreibungen! Zeige die Welt durch die Augen deiner Charaktere (Show, don't tell), statt sie nur aufzuzählen. Lass die Leser deine Welt mit ihren Regeln und Kulturen durch die Aktionen und Handlungen deiner Protagonisten erleben.

Gib deinen Lesern immer nur so viel Information, wie sie gerade benötigen, um neugierig zu bleiben.

Keine Adjektiv-Orgien!

Erzeuge starke Bilder, statt viele austauschbare Adjektive.

In Fantasyromanen werden oft viel mehr Adjektive verwendet als in anderen Genres. Doch solltest du statt einer Anreihung von Adjektiven, lieber aussagekräftige Adjektive und, wenn möglich, starke, aktive Verben verwenden. So erzeugst du lebendige Bilder im Kopf deiner Leser.

Das Cover sollte zum Genre passen.

Das richtige Cover verkauft dein Buch.

Auch wenn dieser Tipp nicht direkt mit dem Schreiben zu tun hat, ist er für deinen Roman unglaublich wichtig.

Das Cover ist der erste Kontakt zwischen deinem Buch und deinen potenziellen Lesern. Es entscheidet darüber, ob jemand stehen bleibt, klickt oder weiter scrollt.

Fantasy-Leser erkennen auf den ersten Blick, ob das Cover zum jeweiligen Genre passt oder nicht. Denn sollte dein Cover nicht ihre Erwartungen erfüllen, fühlen sie sich betrogen und sind enttäuscht.

Denn Farben, Schriftart, Motiv und Stimmung erzählen bereits eine ganze Menge über dein Buch.

Die Cover in den jeweiligen Subgenres der Fantasy sind durchaus verschieden. Wenn dein Cover eine romantische, magische Geschichte verspricht, der Inhalt aber ein düsterer, brutaler Vampirroman ist, entsteht eine falsche Erwartung. Zudem kann ein unpassendes Cover dazu führen, dass genau deine Zielgruppe dein Buch übersieht. Deshalb lohnt es sich, dass du dir die anderen Cover in deinem Genre ganz genau ansiehst und vergleichst. Nicht um zu kopieren, sondern um zu verstehen, welche Bildsprache deine Leser erwarten. Dein Cover muss nicht jedem gefallen, aber es sollte die richtigen Leser ansprechen.

Das waren meine 10 besten Tipps, für deinen Fantasyroman.

Du siehst, einen Fantasyroman zu schreiben und dafür auch noch eine eigene Welt zu erschaffen, ist nicht so einfach. Plane deine Welt akribisch und stelle feste Regeln und Gesetze auf. Überlege dir unverwechselbare Details und originelle Charaktere. Wie wirken sich Klima und Geografie oder Politik auf deine Völker, Kulturen und Gesellschaftsformen aus? Lass deine Leser die Welt durch die Augen deiner Protagonisten erleben und vermeide Zufälle. Die Leser sollen das Gefühl haben, deine Welt könnte tatsächlich existieren. Wenn du das alles berücksichtigst, wird deine Fantasywelt grandios.

Deine Leser werden dich und deine Bücher dafür lieben.